Geschichte der Turnerschaft Arminia Gießen

Von der Schülerverbindung zur Burschenschaft
Am 14. Januar 1882 wurde durch fünf Schüler des Gymnasiums in Gießen ein literarisches Kränzchen gegründet. Hieraus entwickelte sich 1883 ein Wikingerbund. Allerdings war zu erwarten, dass mit Verlassen des Gymnasiums durch die Mitglieder, dieser aufhören würde zu existieren. Somit wurde der Wikingerbund aufgelöst und im SS 1885 der „Literarische Verein“ als studentische Verbindung gegründet. Als Mitglieder der Burschenschaft Neogermania Berlin und Burschenschaft „Auf dem Fürstenkeller“ Jena sich anschlossen wurden die Prinzipien des Allgemeinen Deutschen Burschenbundes (ADB) übernommen. So entstand am 26. November 1885 die Burschenschaft Arminia Gießen, welches bis heute als Gründungsdatum angesehen wird.

Burschenschaft Arminia Gießen
Mit dem Eintritt in den Allgemeinen Deutschen Burschenbund wurde Vollcouleur aufgenommen und die Farben schwarz-gold-rot, sowie der Wahlspruch: "Freiheit, Ehre, Vaterland /Vorwärts zum Ziel / Aufwärts zur Wahrheit" gewählt. Gerade durch die Offenheit gegenüber jüdischen Mitgliedschaften wuchs die Verbindung schnell und 1891 konnte der Altherrenverband gegründet werden. Dieser Zuwachs hielt jedoch nicht lange an und führte durch Mitgliedermangel zwischen 1896 und 1903 zur Suspendierung des Bundes. Das zweite Problem war der Prinzipenstreit mit der ADB, da dieser zwar unbedingte Satisfaktion verlangte, aber die Bestimmungsmensur ablehnte. Somit kam es zwischen 1914 und 1918 abermals zur Suspendierung. Nachdem 1919 der Korporationsbetrieb wieder aufgenommen worden könnte, wurde 1923 das Haus in der Schützenstr. 2 in Gießen gekauft. Da die Auseinandersetzungen mit dem ADB Aufgrund der Einführung der Pflichtmensur immer noch nicht geklärt wurden, schloss die Armina Gießen im SS 1925 ein Paukverhältnis mit der Burschenschaft Teutonia Frankfurt und trat 1926 aus dem ADB aus. Jedoch waren die Fechtmöglichkeiten, immer noch zu wenig und so begann die Suche nach einem neuen Dachverband. So wurde die Arminia „freie Turnerschaft“ um in den Vertreter-Convent (VC) einzutreten.

Turnerschaft Arminia Gießen
Die Aufnahme in den Vertreter-Convent (VC) erfolgte 1928 und am 23. Juni 1928 trat bei dem oberhessischen Turnerschaftentag in Marburg die Arminia erstmals offiziell als VC Turnerschaft auf. Gerade dort wurde auch das Verhältnis zu der Turnerschaft Saxonia immer freundschaftlicher, da besonders die sehr freundlich auf die neuen VC-Mitglieder zugingen. Um die Liquidation um ein Aufgehen in die NSDStB zu vermeiden wurde die Aktivitas 26. Oktober 1935 aufgelöst. Während des NS-Regimes beteiligten die Arminen sich an der Kameradschaft Ulrich von Hutten auf dem Haus der Burschenschaft Frankonia Gießen. Nach dem 2. Weltkrieg war Gießen zu 80  % durch Bomben zerstört. Die Uni Gießen und das Arminenhaus war ein Trümmerhaufen. Die Uni wurde nur zaghaft erneuert und die Überlegung war sie zur Philipps-Universität Marburg zu verlagern. Zwecks der Rekonstituierung des Bundes trafen sich am 1. Oktober 1947 die verbliebenen Alten Herren. Ohne Aktivitas und ohne Haus wurde das Freundschaftsverhältnis zu der Turnerschaft Saxonia genutzt, um sich als Altherrenverband der Turnerschaft Saxonia anzuschließen und somit die Tradition der Turnerschaft Arminia Gießen weiterzuführen.

Fusion mit der Turnerschaft Saxonia
Die Aufnahme des Altherrenverbands durch die Turnerschaft Saxonia erfolgte am 10. November 1956.
Die "Alten Arminen" durften ihr Band verdeckt unter dem Saxenband tragen. Noch heute feiert die Turnerschaft Philippina-Saxonia zum Ende jedes Wintersemesters die Arminenkneipe zur Ehren der Turnerschaft Arminia Gießen. Ebenso darf eine Traditionspartie auf das Arminenband geschlagen werden. Die Kellerkneipe auf dem Philipperhaus, der sog. Rhenanenkeller, ist u.a. mit Devotionalien der Arminia geschmückt.

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